📌 Letzte Woche hatten wir unsere erste Infosession zur neuen Akademie für digitale und nachhaltige Transformation in Kultur, Bildung und Zivilgesellschaft.
0️⃣💚1️⃣ Dabei haben Lorenz Matzat, Roland Poellinger und Daniel Seitz zu „Digitale Nachhaltigkeit? Nachhaltige Digitalisierung?“ diskutiert. Prof. Dr. Angelika Beranek als Hauptinputgeberin hat uns gefehlt, ist dafür dann nächstes mal wieder am Start! Im Talk findet ihr Ideen und Grundlagen, in welche Richtung wir mit euch gehen möchten in der neuen Akademie!
🔜 und wer sich noch bis 19.12. anmeldet, erhält 10% early bird auf den Gesamtpreis!
🎙️ Ihr findet hier den vollen Mitschnitt sowie das Transkript der Infosession
——————–
🚀 die kostenlosen Lunch-Sessions sollen euch einen ersten Einblick in die Themen geben, die wir in der Akademie ausführlich mit euch behandeln. Zudem könnt ihr uns so kennen lernen und habt anschließend zu dem ca. 30 minütigen Talk Gelegenheit, eure Fragen zur Akademie loszuwerden!
Meldet euch hier für Teil 2 und 3 an:
15.1.: Anmeldung zu „A.I. und ihr Einfluss auf Kultur, Bildung und Zivilgesellschaft“
3.2.: Anmeldung zu „Wie können nachhaltige und digitale Transformation zusammen gehen?“
——————–
DANIEL SEITZ
Die beiden riesigen Themen digitale Transformation, nachhaltige Transformation sind ja an sich schon große Themen. Unsere Idee war, das noch mal stärker zusammenzubringen, weil sie für uns oft unzulässig gegeneinander gespielt werden. Roland, vielleicht kannst du uns mal mitnehmen, was bearbeitet ihr derzeit? Wo siehst du da so Potenziale für Organisationen?
ROLAND POELLINGER
Ja, mein spezieller Auftrag bei der Münchner Stadtbibliothek ist auch die Formulierung einer digitalen Strategie. Und das ist für mich so ein Schlüssel, um die beiden Themen zusammenzubringen. Weil man eben nicht nur die kurzfristigen Erfolge in den Blick nimmt, sondern eben auch mittelfristig, langfristig denkt, sich über Priorisierungen Gedanken macht und Ressourceneinsatz. Womit wir schon mitten in der Nachhaltigkeit sind.
Wr haben unsere digitale Strategie auch öffentlich gemacht und dieses offene Arbeiten ist gleich so ein zentraler Wert, den wir pflegen, auf dem wir strategisch aufsetzen. Das Thema Bibliothek lässt sich sehr einfach mit Nachhaltigkeit verbinden: im Sinne der Share Economy. Wir schaffen Medien an, die mehrere Menschen dann eben nutzen können, wir bieten Räume, die viele Menschen nutzen können, wir schaffen Technologie an, die viele Menschen gemeinsam nutzen können.
Digitale Technik setzen wir ein , um unsere Räume noch besser zugänglich zu machen, noch besser nutzbar zu machen. Stichwort Open Library. Wir schulen unsere Kolleg:innen und unsere Besucher:innen mit den entsprechenden Digitalkompetenzen, damit sie sich noch besser sich im Informationsraum bewegen zu können. Das ist sowohl in Richtung soziale Nachhaltigkeit gedacht als auch kulturelle Nachhaltigkeit: Wenn wir die uns anvertrauten Kulturschätze mit digitalen Mitteln zugänglich machen, dann rundet das für mich ab. Gue Digitalisierung ist nämlich auf Nachhaltigkeit ausgerichtet.
DANIEL SEITZ
Danke Ich möchte noch etwas Grundlagen mitgeben. Im Institut sprechen wir immer nicht nur von ökologischer Nachhaltigkeit, sondern eben auch von ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit. Da hast du uns ja gerade schon ein paar Hinweise gegeben. Ein anderer Blick auf Nachhaltigkeit wären die SDGs, also die Sustainable Development Goals. In diesem weltweiten Framework haben wir uns verständigt, in welchen Kategorien wir Nachhaltigkeit verstehen, aber auch welche Ziele wir uns weltweit setzen. Beispielsweise kein Hunger oder exzellente Bildung. Auf deren Grundlage können wir natürlich immer sagen, mit Kultur, mit Bildungsinstitutionen arbeiten wir grundsätzlich an Nachhaltigkeit. Dass stimmt natürlich immer. Gleichzeitig empfehlen wir immer sehr, es uns nicht zu einfach zu machen und zu sagen: Jetzt greifen wir die SDGs raus, indem wir eh schon gut sind. Sondern viel spannender wird es, wenn wir als Organisation schauen, in welchen SDGs könnten wir auch noch gut werden, wie können wir uns weiterentwickeln. Dieser Art Theoriebildung werden wir in der Akademie uns auch vornehmen.
Wichtig ist uns aber auch, nicht nur unseren negativen Fußabdruck zu betrachten – Stichwort CO₂-Ausstoß , sondern eben auch welchen positiven Handabdruck wir haben können. Wie kann man systemisch aktiv werden. In Kulturorganisation, in der Zivilgesellschaft können wir mit unserem Multiplikationswert viel größer agieren. Über solche Ansätze werden wir viel in der Akademie diskutieren.
Lorenz, vielleicht magst du ergänzen, wo siehst du gerade Potenziale?
LORENZ MATZAT
Also ich befasse mich mit diesem Hype-Thema „Künstliche Intelligenz”. Das meint ja eigentlich die Technologie der großen Sprachmodelle oder Large Language Models (LLM). Wo es für viele Unklarheit gibt, glaube ich, inklusive mir. Was konkret Nachhaltigkeit angeht sind es Fragen von Energie-und Wasserbedarf. Eine aktuelle Entwicklung ist, das ganz viele Rechenzentren gebaut werden sollen, im Sinne einer Art Wettrüsten, das es gerade gibt zwischen den großen Techkonzern, die nicht den Anschluss verlieren oder mit vorne dabei sein wollen. Was in den Gegenden, in denen diese Rechenzentren errichtet werden sollen, großes Problem aus verschiedenen Gründen entstehen – Stromverbrauch, Wasserverbrauch etc.
Umgekehrt gibt’s auch Prognosen, dass diese Phase in wenigen Jahren wahrscheinlich überholt sein wird, weil die Modelle so gut werden, dass sie lokal laufen können, also direkt auf den Geräten, die man tagtäglich nutzt. Das ist ein Spannungsfeld auf unklaren Datenlagen, unterschiedlichste Perspektiven – ein sich sehr bewegendes Feld. Mir wäre in der Akademie wichtig zu zeigen, wie, wenn man dann eben Strategien entwickeln muss, den Stand in 3 oder 5 Jahren ih verschiedene Szenarien abzubilden:
Zweitens interessiere mich für die Userseite. Weil ich eben Softwareprodukte konzipiere und auch entwickle. Was verändert sich durch KI auf deren Seite eigentlich? Haben die Anforderungen an Nachhaltigkeit jenseits des Umweltverbrauchs. Der größte Energieverbrauch des Internets machen die Gesamtheit der Geräte der User aus. Davon gibt es Milliarden und jeder Netflix-Stream verursacht halt nicht nur auf Seiten der Servers Energie sondern eben auch bei jemandes Zuhause,
Meiner Meinung nach wird ein Teil der Zukunft im Digitalen sein, dass eben diese sogenannte KI für jede und jeden individuell Inhalte bereitstellt. Wenn man unter Nachhaltigkeit auch den Aspekt Archivierung versteht, stellt sich beispielsweise die Frage: Ist das überhaupt noch archivierbar?
DANIEL SEITZ
Das macht einiges auf. Das Konzept der Zielkonflikte müssen wir an der Stelle einführen und auch deren Normalität. Wenn wir über Transformation sprechen, wenn wir über Digitalisierung sprechen, wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, die beinhalten alle permanente Zielkonflikte. Wir müssen damit einfach umgehen, das müssen wir aushalten. Wir sind wahrscheinlich in der Tendenz erstmal zugeneigt, eben neue Kulturtechniken, neue Transformationsschritte mitzugestalten, statt sie grundsätzlich abzulehnen. So wollen wir auch die Akademie gestalten und euch da mitnehmen. Das heißt nicht, dass wir grundsätzlich den Trend mitgehen müssen. Doch wir müssen sie uns zumindest anschauen und dazu eine qualifizierte, professionelle Meinung finden.
Im Bereich Kultur kann kann man natürlich kritisch auf KI blicken und deren Impact inklusive Urheberrechte, Künstlerinnen, geistige Schöpfungshöhen und so weiter. Auch aus der Bildung kann ich natürlich kritisch darauf gucken, was macht das mit einem Bildungsverständnis. Aber eben auch wie wie geil ist so ein Bildungszugang, wo plötzlich Menschen mit vor allem niedrigem Bildungsgrad per ChatGPT eine Zugangsmaschine zu unfassbar viel Wissen haben. Wikipedia wäre immer der bessere Zugang, aber wenn der nicht gegangen wird, sondern ChatGPT halt plötzlich das Gegenüber ist, verändert das was.
Roland, Thema Wissenszugänge, Archive und so weiter. Was gibt es da bei euch schon für Ansätze? Wie nachhaltig kann Digitalisierung dabei sein?
ROLAND PÖLLINGER
Es geht um Inklusion, es geht um Teilhabe, es geht um Demokratie. Demokratie als Begriff wird uns an der ein oder anderen Stelle ganz deutlich beschäftigen – als nachhaltig gedachtes tragfähiges Gesellschaftsfundament. Die Digital Inclusion als Gegenentwurf zur digitalen Spaltung, ist so ein Begriff, der für mich unmittelbar mit Nachhaltigkeit zusammenhängt, Zugänge erstmal technisch schaffen. Da sind wir aufgefordert, gut zu überlegen, wie geht das niedrigschwellig, wie bauen wir Barrieren ab? Zugänge schaffen funktioniert nicht, ohne dass man Menschen auch eben die Kompetenzen gibt, dann eben diese Zugänge zu zu nutzen oder sich auch selber zu gestalten. Das Ziel in der Zugänglichkeit ist ganz klar gesellschaftliche Teilhabe an der digitalen Kultur, an der demokratischen Gesellschaft.
Ein konkretes Beispiel, dass uns lange Zeit beschäftigt hat, war ein Single-Sign-On für unsere verschiedenen Datenbanken,. Es war wirklich nicht leicht, organisatorisch und technisch einen guten Zugang zu bauen, denn der sollte gleich auch mehrere Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Der sollte möglichst auch einen offenen Standard erfüllen, OpenID Connect. Ein Minibeispiel dafür, wie viel strategische Überlegung an so einem kleinen Punkt von Zugänglichkeit bereits steckt. In München haben wir musikalische Archivalien, die wir sehr gerne gut digitalisieren wollen, damit sie möglichst viele Menschen auch ansehen können, die halt nicht als Wissenschaftler bei uns in Archiv gehen können..
DANIEL SEITZ
Wir unterschätzen immer, wie viel Kultur schon vorhanden ist und wie fern das dann trotzdem manchmal liegt, weil unsere Digitalisierungsprojekte zum Teil sehr hinterher hängen. Manchen Einrichtungen fällt es deutlich schwer, weil sie die Ressourcen und die Kompetenzen nicht haben. Da machen wir ja gerade riesige Schritte, eben auch durch KI, aber nicht nur.
Lorenz, wo siehst du gerade Chancen, Dinge selbst zu gestalten, ohne riesige Budgets dafür zu haben, Anträge zu schreiben und so weiter.
LORENZ MATZAT
Software ist ja in dem Sinne das Medium, in dem sich alles im digitalen verhandelt. Software herzustellen war bisher in der Regel unheimlich teuer. Im öffentlichen Sektor scheitern Softwareprojekte meist: sie dauern viel länger als geplant, kosten viel mehr oder kommen gar nicht zustande. Das ist im privaten Sektor ähnlich.
Große Sprachmodelle ermöglichen eben auch Programmiersprachen zu sprechen – in Anführungsstrichen; deutlich besser als menschliche Sprachen, weil Programmiersprachen wesentlich mehr verregelt sind. Erfolg oder Nichterfolg in der Kommunikation lässt sich messen und damit auch messen, ist Programmierung erfolgreich. Und so sind jetzt innerhalb der letzten 12 Monate Fortschritte entstanden, dass das Programmieren eines Prototypen, der funktioniert, mehr oder minder für jeder Mensch möglich geworden ist.
Das verändert die Prozesse in einer Institution. Vorher brauche ich Budget, brauche ich Zeit. Jetzt wird Experimentieren möglich. Da sehe ich viel Empowerment-Potenzial, weil die Zugangshürden zu der Anwendung von Technologie durch solche Assistenten, durch Sprachmodelle gesunken sind. Dazu wollen wir einladen, das auszuprobieren.
DANIEL SEITZ
Wir arbeiten gerade mit einer Kulturorganisation, bei denen das CO₂ hinsichtlich der Reisen der Mitarbeitenden ein großes Thema ist. Da entwickeln wir gerade ein Tool. Das sammelt zum einen Informationen dazu, welche CO2 Emissionen entstehen überhaupt. Gekoppelt mit Gamification zur Sensibilisierung, zur Wahl des Verkehrsmittel. So ein recht einfaches Tool herzustellen hätte vor ein paar Jahren so richtig Geld gekostet und wäre deswegen einfach nicht passiert. Es geht jetzt mit sogenanntem Vibe Coding, dem KI-gestützten Coding
Wir haben große Lust mit euch in der Akademie Ideen zu entwickeln. Und euch zu ermöglichen und zu befähigen, selbst sowas zu denken und dann tatsächlich auch direkt in die Umsetzung zu gehen. Ohne dass ihr ein IT-Studium machen müsst.
Das als Beispiel einer der Ansätze unseres Piloten für die Akademie für Digitale und nachhaltige Transformation. Ich sehe natürlich, wie das Thema Nachhaltigkeit gerade wieder von der Agenda verschwindet, aus der Förderlogik verschwindet. Ich hoffe, dass das Angebot ein wenig Mut gibt und Organisationen die Möglichkeit am Thema zu bleiben.
Alle Infos zur Akademie sind hier zu finden: https://zukunftskultur.eu/de/akademie/digitale-nachhaltige-transformation/